Elisabeth Büchles Roman entführt in zwei Welten: das Jahr 1944 – mitten in den Krieg – und in die Gegenwart. Er erzählt von einer riskanten Mission zur Rettung von Kunstwerken, von Loyalität und Verrat – und von zwei Frauen, die lernen, für das einzustehen, woran sie glauben.
Liebe Elly, zwei Zeitebenen, zwei starke Frauen: Was hat dich dazu bewogen, Vergangenheit und Gegenwart so eng miteinander zu verweben?
Ich finde es interessant, wie sehr Ereignisse, die vor unserer Zeit stattgefunden haben, in unsere Gegenwart hineinspielen können, sei es nun im geschichtlichen oder im privaten Kontext. Im Falle meiner Romanfiguren trifft gleich beides zu, und das halte ich für eine spannende Romanidee.
Trixi ist mutig und sie hütet ein Geheimnis – wie viel von ihr steckt in dir?
Angeblich gibt es ja das sogenannte Abenteurer-Gen, und ich bin offenbar jemand, der sich damit schmücken darf. Allerdings merke ich, dass sich dieses Gen, je älter ich werde, immer mehr abschleift. Offenbar werde ich doch noch vernünftig. Was die Geheimnisse anbelangt ... Nun, die bleiben meine Geheimnisse –sonst wären es ja keine mehr.
Die Rettung von Kunstwerken mitten im Krieg klingt nach einer spannenden Aufgabe. Gab es historische Fakten, die dich besonders überrascht haben?
Oh ja, viele. Ich nenne stellvertretend mal zwei davon: Zum einen ist die Zahl der bis heute verschollenen Kunstwerke erschreckend hoch, und leider ist wohl davon auszugehen, dass die allermeisten schlicht zerstört und damit für immer verloren sind. Zum anderen ist die Tatsache, dass die amerikanischen „Monuments Men“ – die Vorbilder für meine „Art Treasure Hunters“, also die weiblichen Kunstschatzjäger im Roman – allesamt schon älteren Jahrgangs waren und Familie hatten. Dass sie sich aus Sorge um die gefährdeten Kunstwerke dennoch der Armee anschlossen, ist umso überraschender.
Verrat, Geheimnisse, Hoffnung – dein Roman hat alles. Was war die größte Herausforderung, diese Spannung bis zur letzten Seite aufrechtzuerhalten?
Die größte Herausforderung für mich war, dass ich am liebsten für alle meine Protagonistinnen ein Happy End geschrieben hätte, sowohl im geschichtlichen als auch im historischen Teil. Vor allem, was Emilia und ihre Suche nach dem verlorenen Schmuck und nach der Wahrheit anbelangt. Aber das wäre leider ziemlich realitätsfern gewesen ...
Emilia stößt auf ein Familiengeheimnis. Was möchtest du deinen Leserinnen und Lesern mitgeben, wenn es um den Umgang mit der eigenen Vergangenheit geht?
Das, was wir in der Vergangenheit erlebt haben, beeinflusst unser Dasein und damit unser Denken, unsere Reaktionen, unsere Gefühle und vieles mehr. Es ist gut, wenn wir uns diesem Erlebten stellen, wie schmerzlich es auch sein mag. Denn nur wenn wir vergeben und Vergebung erfahren – von anderen Menschen und von Gott –, kann es gelingen, dass unsere Zukunft, wenngleich von der Vergangenheit beeinflusst, nicht gänzlich von dieser geprägt wird.
Wenn du eine Figur aus dem Roman zum Kaffee einladen könntest, wer wäre es und was würdest du sie fragen?
Puh, das ist aber eine schwierige Frage – immerhin tauchen etliche interessante historische Persönlichkeiten im Roman auf. Und meine fiktiven Protagonisten sind auch sehr spannend, zumal es das eine oder andere Wiedersehen mit Männern und Frauen aus älteren Büchern aus meiner Feder gibt. Den meisten Figuren möchte man allerdings keinen Kaffee auftischen, sondern ihnen viel lieber zurufen: „Lauf!“ Für wen also entscheide ich mich? Für Edith! Sich mit dieser mutigen und sehr eigensinnigen britischen Spionin zu unterhalten, wäre sicher ein besonderes Erlebnis.
Was wünschst du dir, dass Leserinnen und Leser gedanklich mitnehmen, wenn sie die letzte Seite des Buches gelesen haben?
Sie sollen wissen, welch hohes Gut Vergebung ist und wie wichtig es ist, sich für das Richtige einzusetzen, ohne sich dabei selbst zu wichtig zu nehmen. Und natürlich würde ich mich freuen, wenn die Leserinnen und Leser durch mein Buch noch mehr darüber erfahren, was in den 1930er- und 1940er-Jahren in Deutschland geschehen ist – und dass so etwas nie wieder passieren darf!
Vielen Dank für den Einblick und das Gespräch!
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Die Hüterin der verlorenen Schätze
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