Eintauchen in die Regency-Zeit und Berührungen mit dem Methodismus: Die Fortsetzung von „Das Erwachen der Freiheit“, dem Erstlingswerk von Rahel Krönert, ist da. Rosalyn Mandeville löst die Fesseln der aristokratischen Gesellschaft und wagt einen Schritt ins Ungewisse. Ihre Flucht vor einer arrangierten Ehe führt sie nach London, wo sie nicht nur mit Einsamkeit und Zweifeln ringt, sondern auch mit der Frage, ob Gnade verdient werden muss.
Liebe Rahel, London zu Beginn des 19. Jahrhunderts ist eine faszinierende Kulisse, vor der dein Roman spielt. Gab es historische Details, die dich besonders überrascht oder inspiriert haben?
Nicht wirklich überrascht, aber dennoch nachdenklich gestimmt hat mich die erneute Erkenntnis, dass London Anfang des 19. Jahrhunderts eine Stadt der Extreme war: auf der einen Seite die Welt der Reichen und Schönen mit all den Annehmlichkeiten, die man damals kannte. Auf der anderen Seite die breite Masse, die in Armut lebte und mit der damit einhergehenden Verwahrlosung und Hoffnungslosigkeit zu kämpfen hatte. Dass sich die methodistische Bewegung schon Jahrzehnte zuvor auf jede erdenkliche Weise dafür eingesetzt hat, die Not dieser Menschen zu lindern, hat mich dann wirklich begeistert – und eine nicht unerhebliche Rolle für den Roman gespielt, denn der Großteil der Handlung ist ja in einem herausfordernden Armutsviertel angesiedelt.
Gibt es etwas aus jener Epoche, dass du heute sofort wieder einführen würdest – und was würdest du auf keinen Fall zurückhaben wollen?
Die Georgianische Architektur ist definitiv schön anzusehen - für mich persönlich aber auch so sehr mit England verknüpft, dass ich es wahrscheinlich eher merkwürdig finden würde, wenn plötzlich überall in Deutschland Gebäude in diesem Stil zu finden wären. Und sosehr ich Pferde liebe: Ich bin dennoch dankbar, dass sie heutzutage nicht mehr das Fortbewegungsmittel Nummer Eins sind, insbesondere, was das Reisen über längere Strecken anbelangt.
Rosalyn bricht mit den Erwartungen der Gesellschaft. Was hat dich dazu inspiriert, eine Figur zu erschaffen, die so mutig entgegen der Etikette ihrer Zeit handelt?
Zum einen, weil eine solche Figur einfach zum Inventar eines guten Romans gehört. Eine Heldin, die aus guten Gründen hinterfragt, rebelliert und selbstständig entscheidet, begleitet man einfach gerne, weil so ein Prozess immer spannend ist. Zum anderen liegt das schlichtweg in der DNA der methodistischen Bewegung – nicht um des Rebellierens willen, sondern weil Nachfolge nicht selten bedeutet, gegen den Strom zu schwimmen.
Die Arbeit im Waisenhaus verändert Rosalyns Leben. Wenn du dort einen Tag verbringen könntest, was denkst du, würdest du dort lernen?
Dass es nicht auf große Taten und Erfolg ankommt, sondern auf die oft unscheinbaren Momente, die ein anderes Leben nachhaltig verändern können – zum Guten wie zum Schlechten.
Gab es beim Schreiben Momente, in denen du selbst neu über Gottes Gnade nachgedacht hast?
Davon gab es sehr viele. Doch vor allem beim Schreiben von Rosalyns persönlicher Schlüsselszene zu einem tieferen Verständnis von Gottes Gnade gab es so einen Moment, in dem ich innehalten musste, um mich kurz daran zu erinnern, dass das, was ich da schreibe, eine revolutionäre, lebensverändernde Wahrheit ist. Auch für mein eigenes Lebens, immer wieder neu.
Vielen Dank für den Einblick und das Gespräch.
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Das Erwachen der Freiheit - Hörbuch
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