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Autoren-Interview

Birgit Gassmann

Birgit Gassmann lebt seit 1988 in Jordanien. Mit „Vertauschte Leben“ hat sie ihren ersten Roman veröffentlicht. Wir haben nachgefragt: Wie ist die Buchstory entstanden? Wie lebt es sich in einem arabischen Land?

Birgit Gassmann
Birgit Gassmann
Liebe Frau Gassmann, „Vertauschte Leben“ ist das erste Buch, was Sie geschrieben haben. Wie sind Sie auf die Idee gekommen, Schriftstellerin zu werden?

Genau genommen bin ich ja gar nicht Schriftstellerin, sondern „nur“ Autorin. Schriftstellerin wollte ich schon als Jugendliche gerne werden und habe damals auch Vieles geschrieben. Vor die konkrete Berufswahl gestellt habe ich mich dann aber doch für Sonderpädagogin entschieden, weil mir die Freizeiten mit Freunden mit Behinderung soviel Spaß gemacht haben. Ich habe die Wahl auch nie bereut, aber so nebenbei – just for fun – habe ich doch immer mal wieder geschrieben.

Der Roman dreht sich um eine folgenschwere Verwechslungsgeschichte. Was hat Sie an dem Thema fasziniert?

Solche Geschichten wurden ja öfter mal diskutiert, und ich hatte mich schon als Kind gefragt, wie ich, wie meine Familie wohl mit so einem Schicksal umgehen würden. Als ich dann mehr und mehr mit Schülern mit Behinderung gearbeitet habe, habe ich mich natürlich gefragt, wie man denn wohl damit umgeht, wenn sich bei einem der Vertauschten eine Behinderung herausstellt. Und schon war die Idee zu einer Geschichte geboren.

Kennen Sie persönlich jemanden, der betroffen ist?

Nein, das nicht.

Sie leben in Jordanien, in der Stadt Amman. Wie kam es, dass Sie Deutschland verlassen haben und wann war das?

|r Ich hatte mich ja für Sonderpädagogik entschieden, und Studium und Arbeit haben mir auch immer sehr viel Spaß gemacht. Aber irgendwann habe ich gedacht: 'Komisch, ich bin gar nicht auf die Idee gekommen, zu fragen, was Gott vielleicht mit meinem Leben für Pläne hat.' Also habe ich angefangen zu beten: 'Herr, zeig mir doch, was Du Dir so vorgestellt hast, als Du mich geschaffen hast.' Und wie das so ist, wenn man Gott eine Frage stellt, habe ich von da an Augen und Ohren offen gehalten, was und wie Er denn antworten wird.

Ehrlich gesagt, ich wäre von mir aus im Leben nicht darauf gekommen, ins Ausland zu gehen. Aber dann habe ich 1987 eine Freundin besucht, die in Amman arbeitete, und neben all den touristischen Plätzen wollte ich auch mal sehen, was es denn in Jordanien an Behindertenarbeit gibt. Ich habe also einfach ein Zentrum besucht. Die haben mich dann mit einigen anderen Zentren in Kontakt gebracht, und überall sah und hörte ich das gleiche: „Wir wissen eigentlich gar nicht, was man mit den Schülern machen kann. Gib uns doch mal ein paar Tipps.“

Das kann man natürlich nicht bei einem kurzen Besuch, aber mit jeder Begegnung habe ich Gott gefragt: 'Ist es das, was Du für mich gedacht hattest?' Ich habe mich gleich in das Land und die Schüler verliebt, habe dann aber auch noch viel mit Freunden zuhause darüber gesprochen und gebetet, ob sie das auch als Gottes Weg für mich sehen. Ich wollte nicht einfach nur aus Abenteuerlust dorthin gehen. Mit der Bestätigung durch meine Freunde habe ich meine Arbeit dann gekündigt und bin 1988 nach Amman gezogen.

Spielt Ihr aktueller Wohnort in Ihrem Buch eine Rolle?

Nein, gar keine. Obwohl mein Leben natürlich ganz stark arabisch geprägt ist, ist mein Schreiben noch immer richtig deutsch.

Wie ist das Leben in einem arabischen Land?

Spannend und ganz vielseitig. Manchmal unglaublich anstrengend. Mit Herausforderungen, an die ich in Deutschland nicht einmal gedacht hätte. Mit Freunden, die völlig anders sind als meine deutschen Freunde, die ich aber genauso liebe. Mit einer Kultur, die mich manchmal auf die Palme treibt (es gibt hier genügend davon) und die mir manchmal ganz neue Schätze zeigt. Und alles in allem eigentlich: ein ganz normaler Alltag: meine Schüler unterrichten, meinen eigenen Haushalt erledigen, mit meinen Freunden zusammen sein und ihre Freuden, Sorgen und Nöte teilen. Ich bin Gott dankbar, dass Er mich hierher geschickt hat, und ich möchte nirgendwo anders leben.

Seit letztem Jahr hat der Begriff „Arabischer Frühling“ die Nachrichten geprägt. Sind diese Umwälzungen auch in Jordanien spürbar und haben sie Auswirkungen auf Ihren Alltag?

Das ist natürlich ein unglaublich weites Thema. Ganz sicherlich sind die Auswirkungen der letzten Jahre in Jordanien spürbar. Zum einen: Wir alle haben Freunde in Ägypten, Libyen, Syrien ... und mit ihnen leiden, hoffen und beten wir. Zum anderen haben wir auch die Flüchtlinge aus den Ländern rundherum in unseren Krankenhäusern, Schulen, in unserer Nachbarschaft. Übrigens auch in unseren Gemeinden, und das ist vielleicht ein Aspekt, den man in den Nachrichten nicht so häufig hört: Seit das Leben für viele Menschen so unsicher geworden ist, fragen auch viele mehr nach Gott. Einfach in Frieden leben zu dürfen, ist wieder ein kostbares Gut geworden. Hier in Jordanien danken wir dafür jeden Tag.


© Gerth Medien GmbH 2013


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