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von Michael (Veröffentlicht am 29.08.2025)
spannend ab der zweiten Hälfte
Eine klassische Thrillerhatz finden wir hier zumindest in der ersten Hälfte des Buches nicht, auch wenn es der Klappentext noch so sehr verspricht. "Schattenwald" liest sich über weite Strecken hinweg erstmal wie ein Coming-of-Age-Jugendroman mit Selbstfindungseinschüben und den obligatorischen Konflikten mit Eltern und dem schulischen Umfeld. Dazu kommt eine Spur Krimi bzw. Mystery, wenn in Saras Umfeld seltsame Dinge passieren oder sie von ihren Alpträumen eingeholt wird, die womöglich in Zusammenhang mit ihrer Vergangenheit stehen.
Geradezu harmlos, möchte man meinen und schon gähnend bis zum Ende vorblättern, doch um die Mitte herum kommt Bewegung in die Sache. Das Geheimnis um Saras Vergangenheit entpuppt sich in der Tat als kein sehr angenehmes, denn es stellt die Frage nach Schuld und Vergebung und was passiert, wenn Menschen alte Konflikte niemals loslassen. Man atmet erleichtert auf, wenn Sara endlich ihre Routine durchbricht und die Sache selbst in die Hand nimmt, auch wenn sie sich damit in Lebensgefahr bringt.
Die Frage nach Schuld und Vergebung wird auch aus einer christlichen Perspektive beleuchtet, allerdings hat das auf die Handlung kaum einen Einfluss. In Gestalt des dauergrinsenden jungen Flüchtlings Ramin kommt die behütete Sara erstmals mit dem Glauben und dem anderen Geschlecht in Berührung, doch so richtig überzeugt dieser Handlungsstrang nicht. Auf die Haupthandlung nimmt es kaum Einfluss, Ramin ist zwischendrin für mehrere Kapitel völlig irrelevant, bevor er am Schluss doch noch einmal kurz auftaucht.
Ein sozialdramatischer Aspekt also, um das Buch anspruchsvoller zu machen und einem christlichen Verlag zu verkaufen? Falls ja, wäre es schade, dass die Autorin so wenig Vertrauen in die Geschichte hat, die abseits einiger Längen in der ersten Hälfte und unnötiger Exkurse durchaus zu fesseln weiß. Der Schuldaspekt wird durch die Tiefe der Verstrickungen von Saras Familiengeschichte verdeutlicht, auch wenn man das Verhalten ihrer Mutter trotz aller Bedrohungen längst nicht immer nachvollziehen kann.
Unterentwickelte Nebenfiguren wie Saras beste Freundin Caro kann man verschmerzen, in den besten Momenten ist "Schattenwald" ein echter Pageturner, dessen Showdown ein wenig auf sich warten lässt. Und es ist erfrischend, mal wieder einen Thriller aus der Perspektive einer "normalen" Person zu lesen, statt der üblichen Verbrecherjagd mit dem nächsten depressiven Ermittler.
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